In der Welt der Desktop-Computer passiert gerade etwas Handfestes. Nach Jahrzehnten der Windows-Dominanz treffen Millionen ganz normaler Nutzer stillschweigend eine andere Entscheidung. Nicht nur Technik-Enthusiasten oder Entwickler — gewöhnliche Menschen mit gewöhnlichen Computern steigen auf Linux um. Hier sind die Gründe.
Windows 10 ist Geschichte, und Windows 11 sagt „Nein“ zu deinem Computer
Am 14. Oktober 2026 hat Microsoft den Support für Windows 10 eingestellt. Keine Sicherheits-Patches mehr, keine Updates mehr. Für ein Gerät, das noch mit Windows 10 läuft, ist das ein ernstes Problem — ungepatchte Sicherheitslücken häufen sich schnell an.
Die naheliegende Lösung wäre ein Upgrade auf Windows 11. Aber Microsoft hat einen Haken eingebaut: Windows 11 setzt ein Hardware-Feature namens TPM 2.0 voraus, dazu bestimmte Prozessorfamilien und UEFI Secure Boot. Millionen völlig funktionstüchtiger Computer — Geräte, die reibungslos laufen, Dateien schnell öffnen und alltägliche Aufgaben ohne Murren erledigen — erfüllen diese Anforderungen schlicht nicht.
Microsoft sagt nicht, dass dein Computer zu langsam ist. Es sagt, dass deinem Computer eine bestimmte Chip-Konfiguration fehlt. Dieser Unterschied ist entscheidend, denn er bedeutet: Hardware, die einwandfrei funktioniert, wird durch eine Richtlinie in die Schrottkiste gedrängt — nicht durch ihre Leistung.
Linux stellt solche Anforderungen nicht. Wenn dein Computer hochfahren und einen Browser ausführen kann, läuft darauf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch Linux. Distributionen wie Linux Mint und Ubuntu lassen sich auf Hardware installieren und betreiben, die Windows 11 ablehnt — und sie laufen auf denselben Geräten oft schneller als Windows es tat.
Die Kosten lassen sich immer schwerer rechtfertigen
Eine neue Windows 11 Home-Lizenz kostet rund 140 Dollar. Microsoft 365, das viele Nutzer für Word und Excel als unverzichtbar empfinden, schlägt noch einmal mit etwa 100 Dollar pro Jahr zu Buche. Wer die Hardware-Anforderungen von Windows 11 nicht erfüllt, muss zusätzlich einen neuen Computer einkalkulieren.
Linux ist kostenlos. Keine Testversion, kein Abo — dauerhaft kostenlos. Und es wird gleich mit LibreOffice geliefert (einer leistungsfähigen Alternative zu Word und Excel), einem Webbrowser, einem Media Player und einem vollständigen Werkzeugkasten für die tägliche Arbeit. Einmal installiert, hat man alles, was man braucht.
Für jemanden, der allein deshalb ein neues Gerät kaufen soll, um weiterhin Sicherheits-Patches zu erhalten, ist das eine überzeugende Alternative.
Datenschutzbedenken treiben die Leute weg
Windows 11 hat Features eingeführt, mit denen sich viele Nutzer unwohl fühlen.
Microsofts Recall-Funktion — konzipiert, um regelmäßig Screenshots des Bildschirms aufzunehmen und zu speichern, damit eine KI den Verlauf durchsuchen kann — sorgte bei der Vorschau für erheblichen Gegenwind. Sicherheitsforscher demonstrierten, dass frühe Versionen Passwörter und sensible Finanzdaten erfassten. Microsoft verschob den Rollout zweimal, aber der Vertrauensschaden blieb dauerhaft.
Abgesehen von Recall wird Windows mit Hintergrund-Telemetrie ausgeliefert, die standardmäßig Nutzungsdaten an Microsoft überträgt. Copilot, Microsofts KI-Assistent, hat sich von einer simplen Seitenleiste zu einer systemtiefen Präsenz entwickelt, die zuhören, den Bildschirm sehen und selbstständig Aktionen ausführen kann.
Linux-Distributionen funktionieren anders. Die meisten werden ohne eine vergleichbare Telemetrie-Pipeline ausgeliefert. Für Sicherheits-Updates wird kein Account benötigt. Man wird nicht aufgefordert, seinen Rechner mit einem Cloud-Dienst zu verbinden, nur um ihn nutzen zu können.
Regierungen vollziehen den Wechsel
Nicht nur Einzelpersonen wechseln. Ganze Regierungen steigen um — und nennen dabei dieselben Gründe.
- Deutschlands Schleswig-Holstein hat 30.000 behördliche Arbeitsplätze auf Linux umgestellt und dabei über 15 Millionen Euro an Lizenzkosten eingespart.
- Frankreich hat alle Ministerien angewiesen, von Windows wegzumigrieren — betroffen sind 2,5 Millionen Geräte, mit einer Deadline im Herbst 2026.
- Dänemarks Ministerium für Digitales hat den vollständigen Umstieg auf Linux und LibreOffice angekündigt, ausdrücklich um die Abhängigkeit von amerikanischen Technologieunternehmen zu verringern.
Wenn Nationalstaaten solche Entscheidungen in diesem Maßstab treffen, ist das ein klares Signal: Linux hat das Hobbyisten-Stadium längst hinter sich gelassen.
Gaming ist kein K.o.-Kriterium mehr
Jahrelang war Gaming der eine Grund, weshalb Menschen bei Windows blieben. Dieses Argument hat deutlich an Gewicht verloren.
Valves Steam Deck läuft unter Linux, und die Proton-Kompatibilitätsschicht ermöglicht es, rund 80 Prozent der meistgespielten Steam-Titel ohne Anpassungen unter Linux zu betreiben. Anfang 2026 spielen bereits über fünf Prozent aller Steam-Nutzer auf Linux — eine Zahl, die sich in zwei Jahren in etwa verdoppelt hat.
Kompetitive Multiplayer-Spiele mit strikten Anti-Cheat-Systemen sind nach wie vor eine Ausnahme. Wer hauptsächlich solche Titel spielt, ist mit Windows noch besser bedient. Für alle anderen ist Linux heute eine ernstzunehmende Option.
Die Zahlen spiegeln den Wandel wider
Der Linux-Desktopanteil ist von rund 2,76 Prozent im Jahr 2022 auf etwa 4,7 Prozent im Jahr 2026 gestiegen — ein Zuwachs von 70 Prozent in drei Jahren. In den USA hat Linux Mitte 2026 erstmals die Fünf-Prozent-Marke überschritten.
Als Zorin OS 18 genau an dem Tag erschien, an dem der Windows 10-Support endete, wurde es innerhalb weniger Monate über zwei Millionen Mal heruntergeladen — rund 75 Prozent dieser Downloads kamen von Windows-Rechnern.
Das sind noch keine gewaltigen Zahlen. Aber die Richtung ist eindeutig, und das Tempo nimmt zu.
Vielleicht ist jetzt der richtige Moment für dich
Wenn dein Computer Windows 11 nicht ausführen kann, wenn du unerwünschte KI-Features satt hast oder einfach aufhören möchtest, für Software zu zahlen, die sich ohne dein Zutun verändert — dann lohnt es sich, Linux ernsthaft in Betracht zu ziehen.
Die besten Einstiegspunkte für Einsteiger sind Linux Mint und Ubuntu. Beide sind kostenlos, beide haben große Communities, die gerne helfen, und beide sind so gestaltet, dass sie sich für Windows-Umsteiger sofort vertraut anfühlen.
Du musst kein Technik-Experte sein. Du musst nur neugierig genug sein, es auszuprobieren.
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