Ich war mit meinen ChatGPT-Ergebnissen zufrieden. Monatelang.
Dann sah ich bei der Arbeit, was ein Kollege zurückbekam.
Gleiches Werkzeug, gleicher Tarif, ähnliche Aufgabe. Seine Antworten waren einfach besser. Nicht ein bisschen, sondern so deutlich, dass meine im Vergleich nach Textbaustein aussahen. Mir war bis dahin nicht aufgefallen, dass meine Ergebnisse Mittelmaß waren, weil mir der Vergleich fehlte.
Also habe ich ihn gefragt, was er anders macht. Es war nichts Geheimes. Er schrieb einfach mehr hin: worum es geht, für wen das Ergebnis ist, wie es aussehen soll.
Ich arbeite seit über 25 Jahren als SAP Integration Architect. Systeme dazu zu bringen, miteinander zu reden, obwohl sie nicht wollen, ist mein Beruf. Und ausgerechnet bei diesem Werkzeug hatte ich monatelang zu wenig Kontext geliefert, ohne es zu merken.
Falls dir das bekannt vorkommt, oder falls du gerade nicht weißt, ob deine Ergebnisse gut sind: Es liegt nicht an ChatGPT. Nicht am Abo, nicht an der Version, nicht an einem Trick, den alle anderen kennen und du nicht. Es liegt daran, was du der KI sagst. Vor allem daran, was du ihr verschweigst.
Zwei Prompts, dieselbe Aufgabe
Ich zeige dir das an einem Fall aus dem Arbeitsalltag. Ein Kunde beschwert sich, du sollst antworten.
So fragen die meisten:
Schreib eine Antwort auf eine Kundenbeschwerde.
Und das kommt dabei heraus:
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir bedauern, dass es Anlass zu Ihrer Beschwerde gegeben hat und dass Sie mit unserer Leistung bzw. unserem Service nicht zufrieden waren.
Wir nehmen Ihre Rückmeldung sehr ernst und möchten uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen. Ihr Anliegen wird von uns geprüft, damit wir den Sachverhalt nachvollziehen und eine geeignete Lösung finden können.
Jetzt derselbe Fall, aber mit Kontext:
Ich führe ein kleines Online-Geschäft. Ein Kunde beschwert sich, dass seine Bestellung nach zwölf Tagen noch nicht da ist. Laut Sendungsverfolgung liegt das Paket beim Zusteller. Schreib eine Antwort: entschuldigen, den Stand erklären, als Ausgleich einen Gutschein über zehn Prozent anbieten. Ton persönlich und ehrlich, kein Standardtext. Höchstens fünf Sätze.
Und das kommt dabei heraus:
Hallo [Name],
es tut mir wirklich leid, dass Sie nach zwölf Tagen noch auf Ihre Bestellung warten müssen – das ist deutlich länger, als es sein sollte. Laut Sendungsverfolgung befindet sich das Paket inzwischen beim Zusteller und sollte hoffentlich nun zeitnah bei Ihnen ankommen. Ich kann gut verstehen, dass das ärgerlich ist, und möchte mich dafür ehrlich bei Ihnen entschuldigen. Als kleine Entschuldigung möchte ich Ihnen einen Gutschein über 10 % auf Ihre nächste Bestellung anbieten.
Viele Grüße [Name]
Die zweite Eingabe hat mich etwa dreißig Sekunden Tipparbeit gekostet. Die erste hätte mich zwanzig Minuten Nacharbeit gekostet, weil ich den Text am Ende doch selbst geschrieben hätte.
Zwei Dinge machen den Unterschied.
Die KI weiß nichts über dich
Klingt banal, wird aber ständig vergessen. ChatGPT kennt deine Firma nicht, deine Kunden nicht, den Vorfall nicht und dein Ziel schon gar nicht.
Fehlt diese Information, rät die KI. Sie füllt jede Lücke mit dem Durchschnitt aus Millionen ähnlicher Texte. Deshalb bekommst du Durchschnitt zurück: korrekt, höflich und vollkommen seelenlos.
Die Abhilfe ist unspektakulär. Gib der KI den Hintergrund, den auch ein neuer Kollege bräuchte, bevor er die Aufgabe übernehmen könnte. Zwei, drei Sätze reichen fast immer. Im Beispiel oben sind es die Lage (Bestellung verspätet, Paket liegt beim Zusteller) und das Ziel (entschuldigen, erklären, Gutschein anbieten).
Falls dir das Formulieren schwerfällt, gibt es eine Abkürzung. Frag zurück:
Was musst du über meine Situation wissen, damit die Antwort passt? Frag mich, bevor du antwortest.
Dann stellt die KI dir die Fragen, und du antwortest in Stichworten. Funktioniert bei mir zuverlässiger als jeder Versuch, gleich beim ersten Anlauf alles Wichtige unterzubringen.
Ein Thema ist noch keine Aufgabe
Der zweite Punkt fällt weniger auf. „Schreib eine Antwort auf eine Kundenbeschwerde" nennt ein Thema. Es sagt nicht, was am Ende dabei herauskommen soll.
Drei Angaben fehlen. Welche Form soll es haben, E-Mail oder Stichpunkte? Welche Länge, drei Sätze oder eine Seite? Und was soll der Text bewirken, informieren oder besänftigen?
Lässt du das offen, entscheidet die KI für dich. Sie entscheidet dann immer in die Mitte: mittellang, halbformell, unauffällig. Der zweite Prompt legt alles fest. Fünf Sätze, persönlicher Ton, klares Ziel. Deshalb sitzt das Ergebnis.
Was du dir davon merken solltest
Wenn du nach diesem Artikel nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Schreib zwei Sätze über deine Lage, bevor du deine Frage stellst.
Nicht mehr. Das allein hebt das Ergebnis über alles, was du bisher bekommen hast.
Zwei von fünf Bausteinen
Kontext und Aufgabe sind zwei Teile eines Rahmens, mit dem sich jede vage Frage in eine präzise Anweisung verwandeln lässt. Ich nenne ihn PRAKT: Persona, Rolle der Eingabe, Aufgabe, Kontext, Ton.
Die zwei aus diesem Artikel beheben die häufigsten Fehler. Die übrigen drei entscheiden darüber, ob ein Text nur brauchbar ist oder klingt, als hättest du ihn selbst geschrieben. Wie sie zusammenspielen, passt nicht in einen Blogartikel.
Dafür gibt es das Buch. Alle fünf Bausteine Schritt für Schritt, 50 fertige Vorlagen für Job und Alltag, dazu ein Cheat-Sheet zum Heraustrennen.
Und wenn die Antwort trotzdem nicht passt?
Dann ist sie ein Entwurf, kein Endergebnis. Für genau diesen Moment habe ich zwölf Sätze aufgeschrieben, mit denen sich eine mittelmäßige Antwort nachbessern lässt, statt sie wegzuwerfen. Kostenlos als PDF, du bekommst es sofort per Mail.
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